
Die erste Idee unseres Kunden, der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe, für die Produktion von Vermarktungs-unterlagen in bewegter Form beruhte auf einer kurzen gefilmten Sequenz von der Autobahn A9 aus mit Blick auf das geplante Gebäude, dem Skyline Tower (Entwurf Helmut Jahn, Chicago) mit fast 84 m Höhe. Die Prüfung der Machbarkeit dieser Aufgabe mit Sichtung vor Ort und das Abfahren der Strecke ergab die Erkenntnis, daß der Aufwand für verwacklungsarme Filmaufnahmen zu hoch und die Länge der Sicht auf das Gebäude aufgrund einer Kurve im resultierenden Ergebnis einfach zu kurz sind.

Wir entwickelten die Idee weiter und schlugen einen Imagefilm mit Fotos und Animation vor, doch die Premiumvariante für die Art, Größe und städtebauliche Lage dieses Gebäudes verlangte nach Mehr. Die beeindruckendste, visuelle Form mit entsprechender Wertigkeit sahen wir in Filmaufnahmen aus der Luft und vom Boden, verbunden mit Fotoaufnahmen aus echter Stockwerkshöhe von 77 m. Vom Gesamtpaket her für eine Architekturanimation eine große Lösung und für Aufträge im deutschsprachigen Raum eher ungewöhnlich, aber wir konnten den Kunden mit Grobbudgetierung und gut ausgearbeitetem Storyboard dafür begeistern. Das Endresultat sollte ein de/en vertonter Imagefilm und Standbilder auf einer DVD sein.
Der Aufbau des Filmes und Spannungsbogen beruht darauf, prägnante Orte in München und als Text die Entfernung vom Skyline Tower zu diesen Orten zu zeigen. Die Luftaufnahmen bewegen sich auf das neue Stadtareal, die Parkstadt Schwabing und das virtuelle, in die Filmszenen integrierte Gebäude zu. Nach diesen Sequenzen, werden nur noch rein virtuelle Animationen vom Gebäude gezeigt, vom Foyer bis in den „Skygarden“, die oberste Etage.

Mit diesen Ideen im Gepäck ging es an die Arbeit. Vor allem Planungsarbeit. Jeder Drehort mußte in seiner Eigenheit vorher begutachtet werden. Sicher ein Vorteil, wenn man als Dienstleister vor Ort ist.
Vorab geht das ganz gut über Google Maps. Es geht hier um spannende Kamerastandorte und vor allem Lichteinfall. Wann drehen wir welche Szene? Ein wichtiger terminlicher Aspekt war die Genehmigung und Abklärung für Honorare von Nutzungsrechten für Szenen wie auf dem Rollfeld des Münchner Flughafens, der Messe München und das Überfliegen der Allianz-Arena. Drehorte mit solchen Auflagen können meistens nur einmal gefilmt werden, da muß alles stimmen. Vor allem wenn aus dem kostenintensiven Helikopter gefilmt wird. Glücklicherweise hatten wir eine Gutwetterphase für alle Aufnahmen. Ein bedeckter Tag und entsprechende Bilder wären hier nicht wünschenswert gewesen.
Die Fotoaufnahmen für Bildhintergründe vom 80m Kran erwiesen sich als erster spannender Punkt. Eine verparkte Zufahrt und eine lose Sicherung im werksneuen Kran kosteten wertvolle Zeit, hätten den gesamten Fototermin fast zum platzen gebracht. Das Zeitfenster für den richtigen Lichteinfall bis zum Sonnenuntergang war ausgesucht.
Zur Sicherheit fotografierten wir mit zwei Kameras. Ziel war es, 360° Panoramen zu zwei verschiedenen Uhrzeiten und aus zwei Höhen, 35 m und 80m zu erhalten.
Mit etwas Handarbeit im Photoshop gelang die Montage von jeweils 10-15 hochaufgelösten Bildern je Panorama. Die Stitchsoftware war dabei überfordert.
Parallel wurde am Helikopterflug geplant. Das Heliteam aus Ingolstadt filmt überwiegend fürs Fernsehen, die freien Buchungsfenster und das Wetter mussten wieder für unsere Bedürfnisse mit ca. einer Stunde Flugzeit zusammenpassen. Aber es sollte alles hervorragend bestellt sein. Die Flugroute haben wir vorher in einem Animatic entwickelt. Doch ein weiteres, nicht zu erwartendes Problem tat sich auf: Im Verlauf einer Woche wurden auf benachbarten Grundstücken 4 Baukräne aufgestellt, die nicht vor unserem Gebäude stehen und optimalerweise auch im Bild nicht zu sehen sein sollten. Somit wurden die Baulücken von uns nachträglich virtuell mit Gebäudekörpern geschlossen und die Parkstadt sah nicht mehr zu sehr nach großer Baustellenfläche aus.
Zum Erstellen des Models lagen uns alle Grundrisse des Areals sowie die Ansichten, Schnitte der Fassaden als 2D DWG-Dateien vor. Stand der vorliegenden Planung war eine gut ausgearbeitete Entwurfsplanung mit Fassadendetails.
Die Daten wurden in 3dsmax importiert und optimiert. Für jedes Haus wurde als erstes ein einfacher Quader erstellt der dem jeweiligen Grundgerüst aus 2D dwg Daten angepasst wurde. Die 4 Seiten dieser Quader lösten wir in Einzelobjekte auf, die nun die Ausgangsobjekte für die Fassaden darstellten.
Das Modellieren an sich geschah in traditioneller "Box-Modelling" Technik.
Nun wurde das Innenleben der Häuser mit Decken, Zwischenwänden, Säulen und Treppen ergänzt. Die Dächer extrudierten wir aus Splines, die auch mittels "Slice" und "Inset" bearbeitet wurden um Fugen und Dachfenster zu erstellen. Zu guter Letzt füllten wir die Stockwerke mit Low-Polygon Büromöbeln aus unserer Bibliothek auf.

Den Glasflächen wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Um die Reflektionen später so realistisch wie möglich aussehen zu lassen, drehten bzw. kippten wir jedes Fenster nach Zufallsprinzip in 2 Achsen um 1-2 Grad.
Da jede Fassade in diesem Moment noch ein großes Objekt war wurden die Fenster mittels Material ID selektiert, heraus gelöst und in einzelne Objekte aufgelöst.
Für die Nah- und Innenaufnahmen, wurden jeweils separate Szenen angelegt um die Datenmenge so gering wie möglich zu halten. Die Panorama Bilder, die wir von dem Kran aus aufgenommen haben, wurden auf gebogene Flächen gelegt um für die Kameraschwenks in den oberen Etagen flexibel bei der Positionierung zu bleiben.
Für die Umgebung des modellierten Areals erstellten wir eine einfache Bodenplatte, in die Wege und Strassen hinein geschnitten wurden. Schlussendlich pflanzten wir noch Bäume im näheren Umfeld des Komplexes.

Unter Berücksichtigung des gefilmten Materials wurden nun die Materialien und das Licht eingerichtet. Da wir das Gebäude aus der Hubschrauber Perspektive sehen brauchten wir eine Umgebung bzw. einen Boden der sich in den Fenstern reflektierte. Die ersten Tests mit einfachen Environment Maps führten zu mäßigen Ergebnissen. Wir entschlossen uns dazu, unter dem Gebäude, großflächig eine Plane zu erstellen, auf die wir ein Satellitenbild der Umgebung legten. Diese Plane wurde für die Kamera unsichtbar geschaltet.
Auf diese Art und Weise sahen die Reflektionen deutlich realistischer aus.

Die Gestaltung der Innenräume war zum größten Teil nicht vorgegeben und wurde von uns entwickelt. Diese Arbeit ist grundsätzlich nicht zu unterschätzen und stellt eigentlich eine kleine innenarchitektonische Entwurfsaufgabe dar.
Wir versuchten das ganze reduziert zu halten. Es geht nicht nur um gutes Design, sondern letztendlich um die Bildaussage. Viele Elemente überfüllen gerne ein Bild und wollen auch gut gestaltet sein.
Bei der Darstellung von Foyer und Büros ging es bei diesem Gebäudetypus und der angesprochenen Zielgruppe natürlich um die Herausarbeitung von Prädikatsmerkmalen wir Eleganz, Großzügigkeit, Funktionalität. Ein modernes, schickes und äußerst interessantes Businessgebäude.
Die Fertigstellung des gesamten Projektes beinhaltete alle weiteren Arbeiten wie Filmschnitt, Compositing, Text-Animation, Vertonung in deutscher und englischer Sprache, DVD-Design und DVD-Programmierung.

Die Abstimmungen zu diesen ganzen Punkten, von Bildinhalt über Look, Kamerafahrten, Schnitt bis hin zu Vertonung mit Sound und Sprecher sind natürlich zahlreich und von der Zeit her nicht zu unterschätzen.
Von Kundenseite gab es vielfältige Vorstellungen, die berücksichtigt wurden und bei so einer Projektgröße durchaus verständlich sind. Hierbei war unser Kunde genauso zugänglich für unsere Ideen - eine sehr positive Basis, die schon aus zahlreichen gemeinsamen Projekten gewachsen ist.
Der Wille und die Bereitschaft unseres Kunden im Bereich Imagefilm / Architekturanimation ein solch umfangreiches Projekt in Auftrag zu geben, ist besonders positiv hervorzuheben.
Ein vermehrtes Interesse von Kundenseite aus im deutschsprachigen Raum für solche Premiumprodukte aus 3d-Studios wäre natürlich wünschenswert. Doch leider scheitert es oft an den zu weit auseinander gehenden Vorstellungen, was so ein Produkt kosten darf - ein sicher generelles Problem für diesen Bereich und die gesamte Branche.
Architekturvisualisierung ist ein spannendes Thema, aber für resektable Bilder bedarf es viel Erfahrung, einem geschulten Auge und leistungsfähigen, technischen Produktionsmitteln.
Das sind Werte, die in aktuelle und stabile Kalkulationen von Dienstleistern einfließen müssen, um im Gegenzug ein wirtschaftliches Arbeiten zu erreichen.
ein Artikel von
Michael Neumann / Samuel Bubat
www.form3d.de