Zwischen 1990 und 2004 stiegen die weltweiten Treibhausgasemissionen um 24 Prozent auf 49 Gigatonnen Kohlendioxidäquivalente (Gt CO2-Äqu.). Die CO2-Emissionen nahmen von 1990 bis 2004 um etwa 28 Prozent zu und entsprachen 77 Prozent der gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen (in Kohlendioxidäquivalenten) im Jahr 2004.
Die globale atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration stieg von einem vorindustriellen Wert im Jahr 1750 von etwa 280 ppm (parts per million, das heißt 280 CO2-Moleküle auf eine Million Luftmoleküle) auf 379 ppm im Jahre 2005. In den letzten Jahren stellten Wissenschaftler außerdem eine Beschleunigung des Anstiegs der CO2- und N2O-Konzentrationen fest.
Das wissenschaftliche Verständnis der erwärmenden sowie abkühlenden Einflüsse auf das Klima (vom Menschen verursacht und natürlich) verbesserte sich in den vergangenen Jahren. Klar ist: Der größte Teil des Anstiegs der mittleren globalen Temperatur seit Mitte des 20. Jahrhunderts geht sehr wahrscheinlich (das heißt zu über 90 Prozent) auf den Anstieg der vom Menschen verursachten Treibhausgaskonzentrationen zurück.
Die Wissenschaftler ermitteln Projektionen künftiger Klimaänderungen mit Klimamodellen. Die hier vorgestellten Ergebnisse basieren auf einer großen Zahl von Modellsimulationen und einer breiten Auswahl an Klimamodellen. Deshalb ist es möglich, beste Schätzungen und wahrscheinliche Unsicherheitsbereiche für die projizierten Änderungen anzugeben.
Klimamodellsimulationen machte das IPCC für verschiedene so genannte Emissionsszenarios. Das heißt, die Forscherinnen und Forscher legen für ihre Klimamodelle alternative Szenarios für den Treibhausgasausstoß zugrunde: So können die Klimamodelle zum Beispiel Aussagen darüber machen, wie sich das Klima bei starkem Wirtschafts- oder Bevölkerungswachstum – und damit höheren Treibhausgasemissionen – ändern könnte. Alternativ können die Forscherinnen und Forscher projizieren, wie sich das Klima bei geringeren Treibhausgasemissionen ändern könnte.
Aus der Vielzahl dieser Szenarios werden im Folgenden drei herausgegriffen – ein niedrigeres Emissionsszenario (B1), ein mittleres (A1B) und ein höheres Emissionsszenario (A1FI) – die alle keine expliziten Initiativen zum Klimaschutz einschließen. Die Entwicklungen der Treibhausgasemissionen sind unterschiedlich.
Wegen des starken Zuwachses der weltweiten CO2-Emissionen in den letzten Jahren1 befürchtet das Umweltbundesamt, dass die gesamten Treibhausgasemissionen ohne zusätzlichen internationalen Klimaschutz tatsächlich so stark zunehmen könnten, wie sie das IPCC-Szenario „A1FI“ („fossil intensiv“) beschreibt.
B1 „Niedrigeres Emissionsszenario“ ist charakterisiert durch:
A1B „Mittleres Emissionsszenario“ ist charakterisiert durch:
A1FI „Höheres Emissionsszenario“ ist charakterisiert durch:
Projizierte mittlere globale Erwärmung an der Erdoberfläche für den Zeitraum 2090 – 2099 gegenüber 1980 – 1999 zeigt Tabelle 1.
Emmissionsszenario | Beste Schätzung | Wahrscheinliche Bandbreite |
B1 | 1,8 °C | 1,1 – 2,9 °C |
A1B | 2,8 °C | 1,7 – 4,4 °C |
A1FI | 4,0 °C | 2,4 – 6,4 °C |
Tabelle 1: Projizierte mittlere globale Erwärmung an der Erdoberfläche für den Zeitraum 2090 – 2099 gegenüber 1980 – 1999
In diesen Zahlen ist die zwischen der vorindustriellen Zeit und dem Zeitraum 1980 – 1999 bereits erfolgte Erwärmung von etwa 0,5°C noch nicht enthalten. Rechnet man diese Temperaturzunahme dazu, resultieren bis Ende des 21. Jahrhunderts Erwärmungen von 2,3°C für das niedrigere, 3,3°C für das mittlere und 4,5°C für das höhere Emissionsszenario. Diese Werte überschreiten einen Temperaturanstieg von maximal 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau; dies sehen viele Fachleute und die EU als Grenze an, ab der dramatische Schäden als Folge der Klimaänderungen drohen.
Auch nach dem Jahr 2100 kommt es in diesen Szenarios zu einer deutlichen Erwärmung. Bliebe die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre ab dem Jahr 2100 auf dem Niveau des mittleren Szenarios A1B konstant, so betrüge die gesamte Erwärmung zwischen vorindustrieller Zeit und einem neuen Klimagleichgewicht etwa 4,8°C. Die weitere Erwärmung nach dem Zeitraum 2090-2099 würde in diesem Fall also noch einmal etwa 1,5°C betragen.
Hinsichtlich des projizierten Anstiegs des Meeresspiegels sind noch viele Fragen offen. Die ermittelte Bandbreite des Meeresspiegelanstiegs bis zum Ende des 21. Jahrhunderts beträgt im globalen Mittel für das niedrigere Emissionsszenario (B1) 18 bis 38 Zentimeter und für das höhere Emissionsszenario (A1FI) 26 bis 59 Zentimeter. Die Szenarios berücksichtigen allerdings noch nicht die polare Eisdynamik (beispielsweise das Abbrechen großer Eismassen in der Antarktis) und Unsicherheiten in den Klima-Kohlenstoffkreislauf- Rückkopplungen: In einem wärmeren Klima reduziert sich die Aufnahmefähigkeit der Ozeane und der Landoberfläche für vom Menschen verursachtes CO2, weil in wärmerem Wasser weniger Gas gelöst wird und die Böden bei höheren Temperaturen mehr Biomasse abbauen. Damit würden die atmosphärischen CO2-Konzentrationen stärker steigen als ohne diesen Rückkopplungsmechanismus. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse und deren Berücksichtigung in künftigen Modellsimulationen könnten zur Projektion höherer Meeresspiegelanstiege bis zum Ende des 21. Jahrhunderts führen.
Folge der erhöhten Kohlendioxidemissionen ist auch eine zunehmende Versauerung der Ozeane. Die Meere nahmen bisher etwa ein Drittel der vom Menschen verursachten CO2- Emissionen auf, was bereits zu einer signifikanten Versauerung des Meerwassers führte. Eine ungebremste Fortsetzung dieses Trends würde erhebliche Gefahren für das Leben im Meer bergen. Saures Wasser behindert die Kalkbildung, das heißt den Knochen- und Schalenaufbau der Meeresbewohner. Korallenriffe, die ohnehin im wärmeren Wasser unter Stress stehen und alle davon abhängigen Arten sind in ihrer Existenz gefährdet. Das könnte negative Auswirkungen für die gesamte Nahrungskette im Meer haben und damit auch für die menschliche Ernährung.
Die größte Erwärmung zeigen die Klimaprojektionen über dem Festland und in nördlichen Breiten. Mit der geringsten Erwärmung ist über dem südlichen Ozean und Teilen des Nordatlantiks zu rechnen. Die Modelle ergeben für alle Emissionsszenarios einen Rückgang des Meereises sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis. In einigen Projektionen verschwindet in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts das Meereis in der Arktis im Sommer fast völlig.
Die Niederschlagsmengen werden in höheren Breiten sehr wahrscheinlich zunehmen, während sie über den meisten subtropischen Landregionen wahrscheinlich abnehmen.
Extremereignisse – wie Hitzewellen und Starkniederschläge – werden sehr wahrscheinlich weiterhin zunehmen. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich (Eintrittswahrscheinlichkeit > 66 Prozent), dass tropische Wirbelstürme künftig intensiver werden und höhere Spitzenwindgeschwindigkeiten sowie mehr Starkniederschläge mit sich bringen werden.
Nach gegenwärtigen Erkenntnissen wird das Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes nach 2100 weiterhin zum Meeresspiegelanstieg beitragen. Es besteht die Gefahr, dass beieiner Zunahme der globalen Mitteltemperatur von mehr als 2°C gegenüber dem vorindustriellen Wert das Grönländische Eisschild über Jahrhunderte hinweg vollständig abschmilzt und langfristig zu einem Meeresspiegelanstieg von etwa sieben Metern führt. Die Antarktis ist – nach gegenwärtigem Kenntnisstand – hingegen zu kalt für ein verbreitetes Abschmelzen des Festlandeises.
Die anthropogene Erwärmung und der Meeresspiegelanstieg würden sich über Jahrhunderte fortsetzen, selbst falls es gelänge, die Treibhausgaskonzentrationen zu stabilisieren. Dies liegt an der langen, mit Klimaprozessen und Rückkopplungen im Klimasystem verbundenen Zeitskala.
Falls die Klimaänderungen nicht gemildert und die Anpassungsfähigkeit von Mensch und Umwelt mit engagierten Maßnahmen nicht gefördert würden, erwarten Wissenschaftler für das 21. Jahrhundert weitreichende Wirkungen des Klimawandels auf verschiedene Erdsysteme und Sektoren. Welche Wirkungen bei welchem Temperaturanstieg zu erwarten sein könnten, zeigt Tabelle 2.
Temperaturerhöhung gegenüber 1980 - 1999 | Globale Auswirkungen |
Unter 1,5°C | Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Hitzestress, Unterernährung, Durchfall- und Infektionskrankheiten |
1,5 bis 3,5°C | Bis zu 3 Millionen Menschen mehr sind durch Überflutungen der Küsten gefährdet Zunehmende Belastungen wegen Mangelernährung, Durchfall, Herzerkrankungen, Erkrankungen der Atmungsorgane und Infektionserkrankungen Beginn eines unumkehrbaren Abschmelzprozesses der Eisschilde Grönlands und der westlichen Antarktis Größer 3,5°C |
Größer 3,5°C | Alle Systeme – biologische, physikalische und soziale – und besonders die menschliche Gesellschaft sind mit der Anpassung an die Wirkungen einer derartigen Erwärmung überfordert |
Tabelle 2: Auswirkungen verschiedener Größenordnungen der Zunahme des globalen Mittels der bodennahen Lufttemperatur im 21. Jahrhundert gegenüber dem Zeitraum 1980 – 1999
Angesichts der drohenden Konsequenzen einschneidender Klimaänderungen hat sich die EU zum Ziel gesetzt, den Temperaturanstieg auf 2°C gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Zwischen 1906 und 2005 nahm die globale bodennahe Mitteltemperatur bereits um 0,74°C zu. Für das 2°C-Ziel darf die globale Mitteltemperatur also um nicht mehr als weitere rund 1,2°C steigen. Nur so lassen sich die schlimmsten Folgen des Klimawandels verhindern und die unvermeidbaren Folgen durch Anpassungen begrenzen. Um die 2°CGrenze mit einer Wahrscheinlichkeit von wenigstens 75 Prozent einzuhalten, ist es notwendig, die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre bei 400 ppmv CO2- Äquivalenten zu stabilisieren. Dazu ist der Zuwachs der globalen Treibhausgas-Emissionen bis 2020 zu stoppen. Anschließend müssen die weltweiten Emissionen bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent gegenüber 1990 sinken – das heißt um etwa 60 Prozent gegenüber den heutigen Werten – und sie dürfen dann auch langfristig dieses Niveau nicht überschreiten.
Die dazu erforderlichen Klimaschutzmaßnahmen sollten so schnell wie möglich verstärkt werden, um die jetzige Zunahme der Emissionen bis 2020 tatsächlich zu stoppen. Ein späterer Beginn der Maßnahmen würde bei gleichem Emissionsminderungsziel zu erhöhten volkswirtschaftlichen Kosten führen, weil die gesamte wirtschaftliche Entwicklung und besonders die Infrastruktur sich dann bereits zu höheren Emissionen hin entwickelt hätten („Lock-In-Effekt“). Beispielsweise könnten zu diesem Zeitpunkt bereits zusätzliche Kohlekraftwerke mit ihren hohen spezifischen CO2-Emissionen in Betrieb sein oder es wären noch mehr Straßen und Flughafenkapazitäten anstelle von neuen Schienenwegen entstanden. Die Möglichkeiten für niedrigere Stabilisierungsniveaus wären zudem stark eingeschränkt, und das Risiko schwerer Schäden aus einem stärkeren Klimawandel würde wachsen – mit heute noch nicht genau bekannten volkswirtschaftlichen Verlusten.
Der IPCC gibt – analog zu seinen Richtlinien – keine Empfehlung, wie die global notwendige Minderung der Treibhausgasemissionen auf die verschiedenen Staaten aufgeteilt werden sollte. Globale Gerechtigkeit stellt der IPCC aber als wichtiges Ziel heraus. Das UBA vertritt die Position, dass die Industriestaaten wegen ihrer wirtschaftlichen Spielräume bis zum Jahr 2050 mit einer eigenen Emissionsminderung von 80 Prozent (also auf ein Niveau von 20 Prozent ihrer Werte von 1990) zu einer globalen THG-Emissionsminderung von durchschnittlich 50 Prozent der 1990er-Werte beitragen sollten.
Deutschland senkte seine Treibhausgasemissionen von 1990 bis 2005 bereits um mehr als 18 Prozent. Daher ist eine Reduzierung der THG-Emissionen um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 ein ehrgeiziges, aber erreichbares Ziel auf dem Weg, die THG-Emissionen bis 2050 um 80 Prozent zu senken. Das UBA entwickelte für Deutschland ein Klimaschutz-Szenario, mit dem sich die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent senken lassen. 2
Die im IPCC-Bericht genannten Maßnahmen spielen auch hier eine wichtige Rolle. Die Kosten für dieses 40 Prozent-Szenario in Deutschland liegen aber deutlich unter den oben genannten Zahlen des IPCC, nämlich bei maximal 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes oder 11 Milliarden Euro jährlich im Jahr 2020. Das sind weniger als 25 Euro pro Haushalt und Monat. Das UBA erwartet dabei weitere Kostensenkungen bei emissionssparenden Techniken, besonders bei den erneuerbaren Energien.
Zudem kommt das UBA-Szenario ohne die Nutzung der Kernenergie aus. Energieeffizienz und erneuerbare Energien sowie eine starke Substitution der Kohle durch das klimafreundlichere Gas können diese Lücke schließen. Weitere Studien zeigen, dass auch eine Emissionsminderung um 80 Prozent bis 2050 technisch möglich und vor allem wirtschaftlich machbar ist. 3, 4 Die beiden wichtigsten Voraussetzungen, um dies zu erreichen, sind eine Halbierung des Primärenergieverbrauches und der Ausbau der erneuerbaren Energien auf 50 Prozent der Energieversorgung.
Das vollständige Dokument steht zum downloaden bereit unter:
www.umweltbundesamt.de/klimaschutz/index.htm
Weiterführende Informationen gibt es unter:
www.de-ipcc.de
www.umweltbundesamt.de/klimaschutz/index.htm
www.umweltbundesamt.de/energie/index.htm
Stand: November 2007
Herausgeber: Umweltbundesamt
Autoren: Karin Kartschall, Claudia Mäder, Jens Tambke
1 Raupach et al.: Global and regional drivers of accelerating CO2 emissions. PNAS 104: 10288-10293; published online before print, May 2007
2 Umweltbundesamt (2007): Klimaschutz in Deutschland: 40 Prozent - Senkung der CO2- Emissionen bis 2020 gegenüber 1990. Reihe „Climate Change“ Nr. 5/2007 www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3235.pdf
3 Enquete-Kommission (2002), Endbericht an die Enquete-Kommisssion, „Nachhaltige Energieversorgung unter den Bedingungen der Globalisierung und der Liberalisierung“, Bundestagsdrucksache 14/9400 vom 7.7.2002
4 Umweltbundesamt (2002): Endbericht zum Forschungsprojekt „Langfristszenarien für eine nachhaltige Energienutzung in Deutschland“. Reihe „Climate Change“ Nr. 01/2002 und 02/2002
