
Anlässlich der 13. Handelsblatt-Jahrestagung „Stahlmarkt 2009“, die am 04.03. in Düsseldorf stattfand, äußerte sich Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh, zur wirtschaftlichen Lage der globalen und insbesondere der deutschen Stahlindustrie.
Ob Entwicklungs-, Schwellen- oder Industrieländer, die Krise trifft alle, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Für die Stahlindustrie, die am Anfang der industriellen Wertschöpfungskette steht, bedeutet dies weltweit starke Einbußen, mit der Folge, die Produktion zu drosseln: In Nordamerika, den GUS oder Südamerika seien laut Kerkhoff die Kapazitätsauslastung inzwischen unter die 50-Prozent-Marke gefallen. In Deutschland wurde das Jahr 2008 mit 45,8 Mio Tonnen um 5,6 Prozent unter dem Vorjahreswert abgeschlossen (Rekordjahr 2007: 48,5 Mio t). Die Rohstahlproduktion des vierten Quartals 2008 ist um 20 Prozent, der Januar 2009 um 36 Prozent des Vorjahresmonats gesunken.
So meldeten die wichtigsten Hauptabnehmer der Stahlindustrie, der Maschinenbau und die Automobilindustrie inklusive Zulieferer, bei den Auftragseingängen des vierten Quartals 2008 Einbrüche von 30 bis zu 50 Prozent (Walzstahlerzeugnisse) im Vergleich zum Vorquartal. Ein weiterer, wenn auch sekundärer Faktor, den Kerkhoff für den Rückgang der Produktion verantwortlich macht, ist das so genannte „Destocking“, der Abbau der Lagerbestände. Des Weiteren hätten sich nicht alle Rohstoff-Preise der gesunkenen Nachfrage angepasst.
Es sei daher abzusehen, dass die Rohstahlproduktion von 2009 unter der 40-Mio-Tonnen-Marke liegen werde. Bezogen auf die ifo-Umfragen nach der allgemeinen Geschäftserwartung und aufgrund der Konjunkturprogramme der Bundesregierung sei im zweiten Halbjahr jedoch mit einer Erholung des Marktes und mit einer Stabilisierung des Stahlbedarfs zu rechnen.
Zu berücksichtigen sind hierbei strukturelle Gesichtspunkte: Laut Kerkhoff muss vom Protektionismus Abstand genommen werden, der zurzeit in einigen Märkten der Welt als Mittel zur Krisenbekämpfung eingesetzt wird: Die USA beispielsweise haben mit dem Buy American Act verordnet, nur in Amerika hergestellten Stahl für ihre Wirtschaft zu verwenden. Kerkhoff wertet dies jedoch als „falsches Signal“ und für das „liberale“ Europa als Nachteil. Denn unlautere Angebote aus Ländern wie China ruinierten auf Dauer den hiesigen Stahlmarkt. So stammen bereits heute rund 30 Prozent der EU-Stahlimporte aus China (2003: 2 Prozent).
Auch bei der Ausgestaltung des Emissionsrechtehandels fordert Kerkhoff faire Handelsbedingungen und den Abbau bzw. die Vermeidung zusätzlicher Belastungen.
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