Initiative Nachhaltiger Stahlbau gegründet

Verwaltungs- und Montagehalle ESTA
Verwaltungs- und Montagehalle ESTA (Copyright Martin Duckek)

Ganzheitliche Qualitätsstandards für das deutsche Bauwesen: Darum geht es der „Initiative nachhaltiger Stahlbau“, die der Deutsche Stahlbau-Verband DSTV zusammen mit dem Kompetenz- und Beratungszentrum „Bauen mit Stahl e.V.“ ins Leben gerufen hat. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das neue „Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen“ (DGNB), das zur BAU 2009 mit den ersten Pilot-Zertifizierungen gestartet ist.

Mit diesem Gütesiegel verpflichten sich die deutsche Stahlindustrie und der deutsche Stahlbau zur Nachhaltigkeit und deren Umsetzung im Baubereich. Die neu gegründete Initiative soll nun dabei helfen, die Nachhaltigkeitseigenschaften von Stahl und die Potenziale der Bauweise zu fördern. Außerdem sollen quantitative Bewertungskennziffern entwickelt sowie Aufgaben und Ergebnisse der Nachhaltigkeit innerhalb der Baubranche möglichst breitenwirksam kommuniziert werden.

Das Kriterium der Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf ökologische, sondern genauso auf ökonomische und soziokulturelle Aspekte. Deswegen stehen auch ganzheitliche Bewertungs- und Vorgehensweisen im Mittelpunkt der Initiative, der sich inzwischen weitere Organisationen und Hochschulen angeschlossen haben. „Die isolierte Betrachtung einzelner Aspekte, Bauteile oder Gewerke würde zu einseitigen Lösungen und damit nicht zu wirklich nachhaltigen Bauwerken führen“, heißt es dementsprechend in der von der deutschen Stahlindustrie und dem deutschen Stahlbau unterschriebenen Erklärung. Dass gerade der Baustoff Stahl in der Diskussion um ganzheitliches, nachhaltiges Bauen ins Zentrum rückt, ist kein Zufall. Zeichnet sich Stahl doch nicht nur durch seine Langlebigkeit und Robustheit aus, sondern auch durch seine hohe Wiederverwertbarkeit. Zu 100 Prozent recyclingfähig ist dieser vielseitige Baustoff, und das ohne Qualitätseinbußen. So lassen sich etwa in modernen Produktionsanlagen Stahlträger ressourcenschonend aus Stahlschrott herstellen und ausgediente Bauelemente relativ problemlos wieder in einen Neubau integrieren. Darüber hinaus hilft die für den Stahlbau typische industrielle Bauweise mit in Werkstätten vorgefertigten Elementen dabei, Umweltbelastungen auf der Baustelle zu reduzieren und die Bauzeiten zum Teil erheblich zu verkürzen. Zu guter letzt garantiert die Leichtigkeit der Stahlkonstruktionen und ihre Nutzungsflexibilität die Entstehung äußerst langlebiger, flächeneffizienter und wirtschaftlicher Bauwerke.

Wie langlebig und flexibel moderne Stahlkonstruktionen tatsächlich sind, beweist etwa das Beispiel Poelzigbau in Frankfurt/Main. In den 1920er Jahren als Verwaltungszentrale der IG Farben gegründet und nach dem Krieg zwischenzeitlich von der US-Armee als Hauptquartier genutzt, wurde der riesige Stahlskelettbau später zum neuen Hauptgebäude und Wahrzeichen der Goethe-Universität umgenutzt. Heute ist der Poelzigbau ein moderner Treffpunkt für Lehre und Forschung. Ein aktuelles Beispiel für einen nachhaltigen Stahlbau ist das Montage- und Verwaltungszentrum ESTA in Senden, von gerken.architekten + ingenieure. Dabei handelt es sich um einen leichten Neubau mit stützenfreiem Montageraum im Erdgeschoss über einem bestehenden Parkhaus. Durch seine umweltfreundliche Energieversorgung und Klimatisierung, die vollständig aus erneuerbaren Ressourcen erfolgt, und seinen hohen Nutzerkomfort wird das Gebäude den Kriterien des DGNB-Gütesiegels mehr als gerecht. Kriterien, die es laut Dr. Bernhard Hauke, Geschäftsführer des Kompetenz- und Beratungszentrums „Bauen mit Stahl e.V.“ beständig weiterzuentwickeln gilt. Ansonsten bleibe „die Nachhaltigkeit des Bauens auf halbem Wege stehen“.

Weitere Informationen:

www.stahl-online.de

www.bauen-mit-stahl.de