Seit 1976, als Europa im Schock der „Ölkrise“ stand, gibt es in Deutschland eine Energiespar-Gesetzgebung, die primär auf den Gebäudebereich fokussiert ist. Allerdings ist eben dieser Gebäudebereich geprägt vom Interessengegensatz zwischen Mietern und Vermietern (oder wahlweise von Bauträgern und Käufern), der nicht förderlich ist für energiesparendes Bauen und Modernisieren. Kosten und Nutzen energiesparender Maßnahmen sind, vereinfacht gesagt, ungleich verteilt.

Verkannt wird immer noch die gesamtgesellschaftliche Relevanz des Themas. Denn der Energieverbrauch für die Beheizung unserer Gebäude verursacht nahezu 35% (EU-weit sogar 40%) des gesamten Energieverbrauchs. Einen wichtigen Ansatzpunkt bietet hier natürlich der Gebäudebestand, der durch rückständige Sanierungsprozesse maßgebliche Einsparpotentiale enthält. Aber selbst bei Erreichung der festgeschriebenen Klimaschutzziele wird – nach jüngsten Berichten des internationalen Klimaschutzsekretariats – ein Klimawandel unumgänglich sein. Daraus ergibt sich künftig ein neues, zusätzliches Handlungsfeld: nämlich geeignete Anpassungsstrategien zu entwickeln. Denn trotz bereits eingeleiteter Klimaschutzmaßnahmen werden die bisherigen und zukünftigen Treibhausgasemissionen die Temperaturen in Deutschland bis 2080 voraussichtlich um weitere 1,6 bis 3,8 Grad steigen lassen. Die Erwärmung und auch die zu erwartenden Veränderungen der Niederschlagsverhältnisse werden regional und jahreszeitlich unterschiedlich ausgeprägt sein.
Davon bleibt das Bauen nicht unberührt. Folgende Fragen haben wir zu klären: Welche Klimabedingten Betroffenheiten lassen sich für den Gebäudebereich und die Baupraxis in Deutschland vermuten oder gar erkennen? Welche Randbedingungen (Temperaturen, Hitze- und Kälteperioden, Niederschläge, Stürme, Hochwässer, andere Extremwetterlagen) kommen auf die Gebäude und die darin lebenden und arbeitenden Menschen zu? Inwieweit sind unsere bestehenden Gebäude dafür gerüstet, inwieweit werden bauliche Änderungen notwendig? Ist zu erwarten, dass sich auf Grund der Klimaänderung bestimmte Lebensgewohnheiten mit Auswirkung auf die baulichen Gegebenheiten (Arbeitszeiten, Aufenthaltszeiten in Innenräumen, Lüftungsgewohnheiten usw.) entscheidend verändern? Inwieweit und mit welchem Aufwand können bestehende Gebäude für künftige Ansprüche vorbereitet werden? Mit diesen Fragen will ich nun keineswegs „den Teufel an die Wand malen“, sondern vielmehr „sensibilisieren“.
Wenn das Wetter Kapriolen schlägt, werden wir nicht darum herum kommen, unsere Häuser den Klimaschwankungen und Wetterextremen anzupassen. Hochwasserschutz wird absehbar ein wichtiges Thema sein, jedoch auch der Wärmedämmstandard von Gebäuden, der nicht nur im Winter Heizenergie spart, sondern auch im Sommer vor Überhitzung der Gebäude schützt. Klimaanlagen sind keine zukunftsfähige Lösung, weil sie die Atmosphäre weiter anheizen. Die Chance dafür gibt es: Demografisch bedingt wird der Vermieter- bzw. Anbietermarkt – bis auf wenige Regionen – zum Mieter- bzw. Käufermarkt werden (oder ist es schon). In Mietermärkten haben es Gebäude mit hohen Betriebskosten schwer, sich am Markt zu halten. Leerstände uneffizienter Gebäude werden unvermeidlich sein. Die Gunst der Stunde liegt darin, die jetzigen, noch relativ hohen Mietpreiseinnahmen in die Verbesserung der Gebäude – wie z.B. ein besserer Wärmedämmstandard – zu investieren, um später am Markt noch mithalten zu können und einen Werteverlust zu verhindern.
Das Denken in Lebenszyklen ist hierzu der richtige Ansatz und führt nebenbei zu einer verbesserten Umweltbilanz der Gebäude. Das heißt aber umgekehrt nun nicht, dass die Wohnung architektonisch neu erfunden werden muss. Ohnehin hat das Haus gegenüber öffentlichen Dienstleistungen immer wieder erstaunlichste Integrationsleistungen vollbracht. Ein High-Tech-Regelmechanismus, die intelligente Vernetzung von Zentralheizung über Waschmaschine, Rollläden, Dusche bis Kaffeekocher, ist als künftige Grundausstattung durchaus denkbar – als eine Art Intranet für das eigene Haus –, ohne dass deswegen das tradierte Wohnmuster selbst in Frage gestellt wird. Die grundsätzlichen Ansprüche an das Wohnen bleiben, nur verfeinern sie sich gegebenenfalls. Sie finden ihre Bestätigung, indem sie sich technischer Innovationen bedienen. Absehbar werden die notwendigen neuen Technologien keineswegs die (Wohn)Bauformen revolutionieren.
