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Demographische Entwicklung

Demographische Entwicklung

Ein prägender Zukunftstrend liegt in dem Umstand, dass unsere Gesellschaft auch künftig mit einer massiven Migration konfrontiert sein wird. Während die anhaltende Zuwanderung die Heterogenisierung der Gesellschaft vorantreibt, wird das Thema der sozialräumlichen Integration immer wichtiger – auch als Aufgabe des (Städte)Bauens.

Eine zweite Fundamentalentwicklung ist die Alterung: Die Doppelwirkung aus anhaltend niedriger Geburtenhäufigkeit und zunehmender Lebenserwartung der „Babyboomjahrgänge“ (der 50er und 60er Jahre) führt insgesamt in eine rasch alternde Gesellschaft. Daher müssen wir uns auf einen rasanten Zuwachs an alten Menschen vorbereiten; an körperlich und geistig leistungsfähigen Alten, vor allem aber auch an pflegebedürftigen ‚alten Alten’ über 80 Jahre. Die Alterung der Gesellschaft wird weit schneller verlaufen, als jede politische Initiative zu ihrer Bewältigung. Dabei schlägt sich der Alterungsprozess überall nieder, im Osten stärker und schneller als im Westen, im Umland und ländlichen Raum stärker als in den Kernstädten.

Die rasche und hohe Bevölkerungsalterung erfordert Anpassungsleistungen in verschiedenen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge. Dies betrifft das Wohnen und die Alltagsmobilität ebenso, wie neue Lebensqualitäten für veränderte Familienstrukturen geschaffen werden müssen.


Wohnen

Die Alterung der Bevölkerung und die zugleich zunehmende Individualisierung der Gesellschaft führen zu mehr kleineren Haushalten. Für die kleinen Haushaltstypen, d. h. Ein- und Zweipersonenhaushalte sind noch erhebliche Zunahmen durchaus realistisch, selbst in Regionen mit größeren Bevölkerungsabnahmen. Für die großen Haushalte sind dagegen im Umkehrschluss die Schrumpfungs- und Stagnationsszenarien umso gravierender. Es wird deshalb eine noch weitergehende räumliche Ausdifferenzierung der Wohnungsmärkte geben, die eine individuelle Anpassungsstrategie in den einzelnen Regionen notwendig macht.

Der sich künftig verstärkt fortsetzende demographische Alterungsprozess wird primär von der rapiden Zunahme der Zahl hoch betagter Menschen (über 75jährige) getragen, die im Gegensatz zu früher oft aktiv und zahlungskräftig sind und somit gerade im Alter in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Dabei sind sie im Wohnbereich auf besondere Angebote angewiesen, wie zum Beispiel eine alters- und behindertengerechte Gestaltung von Wohnung und Wohnumfeld oder die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten.

Alltagsmobilität

Eine möglichst schnelle Raumüberwindung durch beschleunigte Verkehrsmittel gilt nach wie vor als Leitlinie moderner Verkehrspolitik. Allerdings führt die durch Motorisierung und Ausbau der Straßennetze erhöhte individuelle Beweglichkeit, wie zahlreiche Untersuchungen ergaben, kaum zur Einsparung von Reisezeit und zu größeren Freiheitsspielräumen, sondern zur Ausdehnung der Entfernungen zwischen den verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens. Zudem müssen wir sehen, dass die Mobilität zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, also der klassische Berufsverkehr, der in der Regel auf den vollzeitbeschäftigten männlichen Arbeitnehmer fokussiert ist, nicht den Erfordernissen der künftigen Gesellschaft entspricht. Die Bedürfnisse älterer Menschen (aber auch von Kindern) nach Bewegungsfreiheit legt eher eine gewisse Entschleunigung nahe. Zumal die Bequemlichkeit für Reisende sich nicht über die Geschwindigkeit des Verkehrsmittels definiert, sondern über die Reisezeit „von Tür zu Tür“. Die alltägliche Mobilität ist vor allem gekennzeichnet durch die Verknüpfung von eher kurzen Wegen, die unterschiedliche Orte des Lebensalltags – Wohnung, Arbeitsplatz, Geschäfte, Schule, Kneipe, Sportstudio, Kino – zusammenführt. Das bedeutet, die Mobilitätsanforderungen differenzieren sich aus und werden komplizierter, im Einzelnen sogar widersprüchlich.

Neue Lebensqualitäten schaffen

Die rasche und hohe Bevölkerungsalterung erfordert allerdings nicht nur eine Anpassung in den Bereichen Wohnen und Alltagsmobilität, sondern verlangt auch nach Schaffung von Lebensqualitäten, um wieder die Anzahl der Kinder zu fördern. Dazu gehören Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern (Kindertageseinrichtungen, Ganztagsschulen usw.), Wohnraum, der für Familien mit Kindern angemessen und finanzierbar ist und ein kindgerechtes Wohnumfeld.

Auf die veränderten Familienstrukturen (Stichwort: Patchwork-Familien) hat die Architektur - von Ausnahmen abgesehen – weit weniger reagiert als etwa auf die Verlängerung der Lebens-zeit. Noch immer gibt es Zentimeter-passgenaue Drei-Zimmer-Wohnungen für Eltern und Kind, obwohl diese Gattung auf der roten Liste für akut bedrohte Arten steht. Gerade deswegen ist die aktuelle Beliebtheit der gründerzeitlichen Altbauwohnungen auch so verständlich: Gleich große Räume ohne Hierarchie lassen sich für unterschiedliche Familien- und Lebensformen besser nutzen als die passgerechte Wohnung für die traditionelle Kleinfamilie. Der „verdichtete Wohnungsbau“ wird in Zukunft wieder Thema, wobei seine Qualität insbesondere in den an die Wohnungen angebundenen, geschützten und uneinsehbaren Freiplätzen im Außenbereich zusehen ist.