
Funktionalität und Wirtschaftlichkeit sind entscheidende Kriterien für die Planung von Bürogebäuden. Hohe Effizienz ist dabei nur durch eine Optimierung des gesamten Bauablaufs zu gewährleisten. Beim Neubau eines Bürogebäudes in Hannover konnte nach einer Planungsänderung durch den Einsatz von Mauertafeln aus Porenbeton die Bauzeit um drei Monate verkürzt werden. Sie wurden nach individueller Planung produziert und anschließend montagefertig und just-in-time auf die Baustelle geliefert. Zusätzliche Vorteile boten sie durch die gleichzeitige Erfüllung verschiedener bauphysikalischer Funktionen wie Wärmeschutz, Wärmespeicherung, Brandschutz und Schallschutz.
Der schmale, dreigeschossige Bau der Steuerberatungskanzlei Alcontas passt sich in ein trapezförmiges Grundstück im Schnittpunkt wichtiger Autobahnverbindungen ein. Die Fassade ist betont schlicht und sachlich. Die einzigen Gliederungselemente sind die teilweise versetzt angeordneten Fensterflächen. Unter dem Gesichtspunkt einer höheren Wirtschaftlichkeit wurden rationelle Bauverfahren, in die Überlegungen mit einbezogen. Speziell unter dem Aspekt einer Optimierung des Bauablaufs und der damit verbundenen kürzeren Bauzeit fiel die Entscheidung schließlich zu Gunsten von Mauertafeln aus Porenbeton aus.
Ytong Mauertafeln sind vorgefertigte Mauerwerkselemente aus Porenbeton, die entsprechend der individuellen Planung exakt nach Maß gefertigt werden. Die Produktion erfolgt computergesteuert im Werk auf weitgehend automatisierten Anlagen. Die Elemente werden wie herkömmliches Mauerwerk im Verband aufgemauert. Programmierte Mauerautomaten tragen den Mörtel auf und versetzen die Steine. Sie halten Schichten-, Längen-, und Überbindemaße genau ein und sorgen für eine konstante Ausführungsqualität mit hoher Maßgenauigkeit, die auf der Baustelle nicht erreicht werden kann. Öffnungen für Fenster werden dabei ebenso berücksichtigt, wie Stürze und Aussparungen für angrenzende Bauteile. Für Giebel-, Brüstungs-, und Erkermauerwerk werden bei Bedarf Individuallösungen erarbeitet. Gleichzeitig verhindert die wetterunabhängige Produktion und Zwischenlagerung im Werk witterungsbedingten Stillstand auf der Baustelle und sichert die termingerechte Bereitstellung des Materials.
Der wesentliche Unterschied zum konventionellen Mauerwerk besteht vor allem im Vorhandensein von vertikalen Stoßfugen zwischen den Einzelelementen. Dabei handelt es sich im Normalfall um eine konstruktiv zu schließende Fuge, die so ausgebildet sein muss, dass die bauphysikalischen Anforderungen hinsichtlich Brandschutz, Wärmeschutz und Schallschutz erfüllt werden. Eine übergreifende Bewehrung in der Fuge ist in der Regel nicht erforderlich. Die Fugenvermörtelung erfolgt manuell oder unter Verwendung eines maschinengängigen Verfüllmörtels mit einer Mörtelpumpe. Das maschinelle Herstellungsverfahren sorgt für besonders dünne Stoßfugen, die damit gute Voraussetzungen für den Auftrag von einlagigen, rationell zu verarbeitenden Leichtputzen bieten.

Mit seiner klaren kubischen Form war der Neubau der Alcontas ideal für den Einsatz von Ytong Mauertafeln. Die Bauzeit konnte damit um insgesamt drei Monate verkürzt werden. Wurde ursprünglich bei konventioneller Verarbeitung mit einem Fertigstellungszeitraum von drei Wochen pro Geschoss kalkuliert, so konnte dieser Zeitrahmen durch den Einsatz der Mauertafeln auf eine Woche für jede Etage reduziert werden. Die Gesamt-Rohbauzeit betrug schließlich nur noch sechs Wochen. Insgesamt wurden rund 478 m³ Mauertafeln verarbeitet. Die kurzen Bauzeiten setzten sich auch bei den Folgegewerken fort. So konnten etwa durch die hohe Maß- und Winkelgenauigkeit der Mauertafeln bereits langfristig im Vorfeld die notwendigen Fenster und Türen bestellt und angefertigt werden. Die Fenster standen nach Fertigstellung des Rohbaus sofort zum Einbau zur Verfügung. Der Einbau erfolgte problemlos und zeitsparend.
Eingesetzt wurden Elemente mit einer Wandstärke von 36,5 cm für Außenwände und 17,5 cm für Innenwände. Mauertafeln sind in insgesamt 3 verschiedenen Wandstärken (17,5 cm, 24 cm und 30 cm) sowie Höhen zwischen 75 cm bis maximal 3 m erhältlich. Die Längenproduktion richtet sich nach den Vorgaben aus der Grundrissgestaltung, wobei Längen von 1,25 m bis maximal 6 m hergestellt werden können. Für Pass-Stücke und Pfeiler sind auch kürzere Abmessungen möglich. Vorrichtungen zur Aufnahme von Stürzen und Rolladenkästen können jederzeit werkseitig integriert werden. Für Giebel-, Brüstungs- und Erkermauerwerk werden bei Bedarf Individuallösungen erarbeitet.

Im vorliegenden Fall wurden Mauertafeln mit einer Sonderhöhe von 2,925 m eingesetzt. Dadurch entfielen Arbeiten mit einer oben oder unten liegenden Kimmschicht. Die montagefertig und termingerecht entsprechend dem Bauablauf und Tagesbedarf zur Baustelle gelieferten Elemente wurden lediglich gemäß dem Versetzplan höhen- und flutgerecht ins Mörtelbett auf vorher ausnivellierte Platten gesetzt, gesichert und anschließend in den Stoßfugen mit Mörtel verfüllt. Diese schnelle Montage bewirkt, dass nur geringe Baufeuchte in den Rohbau eindringen kann und lange Austrocknungszeiten entfallen.
Die Geschossdecken wurden aus Zeitgründen als Beton-Massivdecke in statisch erforderlicher Dicke ausgeführt. Dies bot außerdem Vorteile für die Konstruktion des oberen Staffelgeschosses: Die auftretenden Lasten konnten so auf die darunter liegende Wandkonstruktion verteilt werden. Das Gebäudedach wurde als Massivdach mit Ytong-Dachplatten ausgeführt und sorgte so für eine weitere Beschleunigung des Bauablaufs. Darüber hinaus gewährleistet das Ytong Massivdach sommerlichen Wärmeschutz und verhindert ein übermäßiges Aufheizen des Gebäudes durch die Sonneneinstrahlung.
Für den Einsatz in der Praxis boten die vorgefertigten Ytong Wandelemente zahlreiche Vorteile. Das fing an mit der architektonischen Gestaltungsfreiheit, die in vollem Umfang erhalten blieb. Der Architekt war an kein Planungsraster gebunden und konnte seine ursprüngliche Planung, die zunächst von konventioneller Verarbeitung ausging, realisieren und gleichzeitig weitgehend die Vorstellungen des Bauherrn berücksichtigen.
Durch die computergesteuerte Produktion konnten der Materialeinsatz optimiert und die Herstellkosten niedrig gehalten werden. Gleichzeitig ermöglichte dies eine exakte Bauablaufplanung und bot so die Basis für eine genaue Kostenkalkulation. Vorfertigung und Wetterunabhängigkeit trugen zur genauen Einhaltung des Terminplanes bei. Die durch das automatisierte Herstellverfahren erzielte gleichbleibend hohe Mauerwerksqualität erleichterte und beschleunigte die Fertigstellung auf der Baustelle. Die Elemente mussten vor Ort lediglich zusammengefügt werden. Aufwändiges Sägen auf der Baustelle entfiel damit. So wurde gleichzeitig Bauschutt vermieden und die Umwelt geschont.
Neben der Optimierung des Bauablaufs waren beim Neubau des Kanzleigebäudes vor allem bauphysikalische Gründe entscheidend für die Wahl des Baustoffs. Durch guten Wärmedämm-Eigenschaften des Baustoffs Porenbeton reichten die 36,5 cm dicken Elemente als Wärmeschutz nach der EnEV aus. Damit konnte auf eine zusätzliche kostenaufwändige Wärmedämmung der Außenwände verzichtet werden. Die typische Porenstruktur von Ytong bietet gleichzeitig ein ausgewogenes Verhältnis von Wärmedämmung und Wärmespeicherung und gewährleistet so ein ständig gleichbleibendes ausgeglichenes Raumklima.
Die wärmedämmenden Eigenschaften von Ytong-Porenbeton bieten auch Vorteile im Hinblick auf den Schallschutz. Durch die Verarbeitung eines monolithischen, homogenen Baustoffs werden Resonanzen, die bei mehrschichtigen Wandaufbauten auftreten können, vermieden. Bei der Lage des Gebäudes im Schnittpunkt stark befahrener Autobahnkreuze ein sehr willkommener Zusatznutzen. Mauertafeln aus Porenbeton sind nicht brennbar (Baustoffklasse A1) und, da sie auf der Basis natürlicher Rohstoffe im Rahmen eines umweltschonenden Produktionsprozesses hergestellt werden, voll recyclingfähig. Als massive Baustoffe sind sie besonders dauerhaft und langlebig. Dies führt zu geringen Unterhaltskosten von Porenbetonkonstruktionen.

Der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes zeigte, dass montagefertige Wandlösungen mit Porenbeton unter ökonomischen, ökologischen und bauphysikalischen Gesichtspunkten die unterschiedlichen Anforderungen, die an einen modernen Baustoff gestellt werden, erfüllen. Die industrielle Vorfertigung bot Rationalisierungsmöglichkeiten, die zu höherer Bauqualität bei kurzen Fertigstellungszeiten führte. Ein optimaler Personaleinsatz erhöht die Effektivität. Der Bauherr profitierte damit nicht nur von geringeren Baukosten, sondern auch von eingesparten Mietzahlungen.
Architekt:
Ingo Schierz, Odenthal
Bauherr:
ALCONTAS Grundstücksgesellschaft, Odenthal
Fertigstellung:
Anfang 2008
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