DETAILtopics - Mittwoch, 8. Februar 2012
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Potsdamer Garde-Karree


Die ursprünglichen Rundbogenfenster wurden bis auf Fußbodenniveau verlängert.

Stilvolle Kreuzgewölbe, gusseiserne Säulen, kunstvolle Klinkerfassaden – für die Pferde ihrer Garde-Ulanen war den preußischen Königen jeder Aufwand recht. Selbst an den nicht sanierten Gebäudeteilen ahnt man noch die besondere architektonische Ausstrahlung der 1891 fertiggestellten ehemaligen Reitställe im Norden Potsdams. Das zwischenzeitlich als Kaserne genutzte Areal wird unter weitgehender Erhaltung der originalen Bausubstanz unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten restauriert, saniert und zu Wohnungen umgebaut.

Gußsäulen und Kreuzgewölbe bestimmen den Raumeindruck im Erdgeschoss.

Der großzügige Raumeindruck der hohen Innenräume der ehemaligen Pferdeställe wird von den gewölbten Decken aus gelbem und rotem Klinkermauerwerk bestimmt. Die Kreuzgewölbe konnten nahezu vollständig erhalten oder wiederhergestellt werden. Jede Gewölbeachse der langgestreckten Gebäude bildet heute eine in sich abgeschlossene Wohnung mit separatem Eingang, einige größere Wohnungen reichen über anderthalb oder zwei Achsen. Oberhalb des Wohnraums und der Küche im Erdgeschoss befindet sich eine Galerie. Von dort führt eine Treppe zum Dachgeschoss mit den Schlafräumen und dem Badezimmer. Galerie und Treppe wurden als sichtbares Stahltragwerk ausgeführt.

Zu den funktionalen Ergänzungen zählen außerdem die Wohnungstrennwände. Sie gewährleisten mit ihrer Ausführung aus 24 Zentimeter dickem Kalksandsteinmauerwerk den erforderlichen Schallschutz zwischen den Wohnungen und tragen zugleich eine Filigrandecke. Diese Decke wurde neu eingezogen und ermöglicht, das Dachgeschoss ohne Belastung des historischen Gewölbes auszubauen. Im Sinne der Bauzeiten setzte das Bauunternehmen für die Trennwände Silka Kalksandstein- Planelemente von Xella ein, die fertig zugeschnitten und konfektioniert auf die Baustelle kamen und dort mit Minikränen versetzt wurden.

Weil die Wohnungstrennwände auf den Gewölbeachsen angeordnet sind, stehen sie genau in der Linie der Stützen. An diesen Stellen ist das Mauerwerk unterbrochen und die Stütze mit einer Trockenbaukonstruktion eingehaust. Jedoch jeweils nur auf einer Seite, sodass die historische Konstruktion von der anderen Seite sichtbar bleibt. Die einseitig offenen Stützen zeigen weiterhin die historische Tragwerkssituation.

Die im Innenhof des Karrees ergänzten Neubauten passen sich in ihrer Architektursprache den denkmalgeschützten Gebäuden an.

Eine gelungene Verbindung zwischen Substanzerhalt und moderner Funktionalität gelang an den Außenwänden des Garde-Karrees. Die ursprünglichen Klinkerfassaden erhielten durch Reparaturen und Ergänzungen wieder ihr originales Erscheinungsbild. Um eine bessere Belichtung zu erreichen und zugleich die Wohnungs- und Terrassentüren integrieren zu können, wurden die Rundbogenfenster bis zum Boden verlängert. Eine zusätzliche äußere Wärmedämmung verbot sich wegen der aufwändig mit Formsteinen und Verlegemustern gestalteten Klinkerfassaden von selbst. Deshalb kam eine Innendämmung mit Multipor zum Einsatz. Diese rein mineralischen Platten bilden mit den ebenfalls mineralischen Klinkern ein homogenes System. Multipor wird auf der Raumseite mit einem systemzugehörigen Leichtmörtel verputzt, sodass auch in historischer Bausubstanz saubere und ebene Wandoberflächen entstehen.

Das durchlaufende Gaubenband verbessert die Lichtverhältnisse im Dachgeschoss.

Die Wiederherstellung des Garde-Karrees umfasste auch die komplette Erneuerung des Daches und des Dachstuhls. Nach Umbauten in vergangenen Jahrzehnten wurde jetzt die originale historische Form rekonstruiert. Um auch im Dachgeschoss attraktive Lichtverhältnisse und Ausblicke zu erreichen, kam als Ergänzung ein durchgehendes Gaubenband hinzu. Das Dach erfüllt damit wieder seine alte gestalterische Funktion, dem langgestreckten Ensemble ein geschlossenes Gesamtbild zu verleihen.