
Überraschend einfallsreiche und kreative Lösungen sind das Ergebnis des 3. Xella Studentenwettbewerbes, der im vergangenen Jahr unter das Thema „Ein Turm für Berlin – Neues Bauen am alten Postbahnhof“ gestellt wurde. Konkret ging es dabei um die Planung eines cirka 120 Meter hohen Gebäudes mit gemischter Nutzung. Die ersten drei Plätze des mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Wettbewerbs belegten Studenten der HafenCity Universität Hamburg, der HTWK Leipzig und der TU Dresden. Insgesamt haben 1.000 Studenten von 55 Hochschulen teilgenommen. Zuletzt ließ die Jury 320 Entwürfe zur Bewertung zu.
„Die hohe Zahl der Einsendungen beweist, dass Xella mit dem Thema ‚Ein Turm für Berlin’ offenbar wieder den Nerv der Zeit getroffen hat“, so Jan Buck-Emden, Vorsitzender der Geschäftsführung von Xella International, bei der Preisverleihung im Deutschen Architekturzentrum DAZ in Berlin. Die Aufgabe des Wettbewerbs stellte sehr hohe Anforderungen an die Studenten. Es galt, ein prägnantes Hochhaus zu gestalten, in dem die Schnittstellen des modernen Lebens und die Vernetzung von Leben und Arbeiten zum Ausdruck kommen sollte.
Dabei waren ganz unterschiedliche Nutzungsarten vorzusehen: Wohnungen, Gewerbeflächen für Großraum und Einzelbüros, Wellness und Fitnessbereiche, Gastronomie und Shopping. Das ganze war in mindestens fünf und maximal zehn Regelgeschossen darzustellen, die logisch aufeinander aufbauen sollten. Die Jury erwartete dabei schlüssige und wirtschaftlich vertretbare Entwürfe. Um eine für alle gleiche Ausgangsbasis zu schaffen, sollten die Planungen auf ein beispielhaft vorgegebenes Grundstück nahe der Spree am Eingang zu einem neuen Stadtquartier passen, das seit Jahren als Anziehungspunkt für viele neue und junge Unternehmen pulsiert. Auch wenn der Auslober des Wettbewerbs, die Duisburger Xella International, mit den Produktmarken Silka, Ytong, Hebel, Fermacell, Multipor und Aestuver einer der führenden Baustoffhersteller ist, war die Verwendung von Baustoffen aus dem Hause des Unternehmens nicht vorgeschrieben und wurde nicht zur Bewertung herangezogen.

„Alle Studenten haben die Herausforderung auf hohem gestalterischem Niveau gelöst“, würdigte Jan Buck-Emden die eingereichten Entwürfe. Es sei zu hoffen, dass diesen Entwürfen mehr Glück beschieden sei als den Konzepten jener legendären Auslobung von 1921/22. Damals war die Fachwelt aufgefordert, ihre Vorstellungen für eine Hochhaus-Bebauung an der Friedrichstraße einzureichen. Doch die Ergebnisse – darunter Mies van der Rohes berühmte Kohleskizze eines glasummantelten Stahlskeletts – blieben leider nur Papier. Entstanden sind jetzt visionäre und kreative Konzepte, die das Thema Hochhaus völlig neu definieren. So besticht die Arbeit des Siegers Gerardo Villar Watty von der HafenCity Universität Hamburg (betreut von Prof. Anne Rabenschlag) durch ihre skulpturale Ausformung, die logisch aus dem Phototrop-Prinzip der Pflanzenwelt weiterentwickelt ist. Nicht dem Licht wenden sich die Nutzungen je nach Aufgabe zu, sondern dem jeweils reizvollsten Ausblick und der Bewegung der Stadt. Dieser Leitidee folgend wickelt sich die Großform um den Gebäudekern wie um einen Baumstamm, wobei die Wohnfunktion wie eine Frucht, geborgen von den Büronutzungen, ablesbar herausgebildet wird.
Der Entwurf von Mattias Henke von der HTWK Leipzig (Betreuer Prof. Hülsmeier und Prof. Löffler), der den zweiten Platz belegt, zeichnet sich durch eine prägnante Erscheinungsform aus, die im gestalterischen Zusammenhang mit den umgebenden Bebauungsformen steht und den Kopf des neuen städtebaulichen Quartiers bildet. Bei den drittplatzierten Christoph Richter und Johannes Pätzold von der TU Dresden (betreut von Francisco Leiva Ivorra) dient die Vielfältigkeit der Stadt als Ausgangspunkt für das Konzept der „Stadt in einem Haus“. Das Addieren von verschiedenen Nutzungen an einem Ort ist Programm der Arbeit. Dabei sind die einzelnen Funktionen – gleich einem Sandwich – von außen ablesbar und werden nicht durch eine einheitliche Fassade versteckt.
Die anspruchsvollen Aufgaben des Xella Studentenwettbewerbes, deren Lösung bereits ein hohes Maß an Erfahrung voraussetzt, begründen das hohe Renommee dieser Auslobung. Zurecht gilt der Xella Studentenwettbewerb mittlerweile als Sprungbrett in eine erfolgreiche Architektenkarriere. Immer mehr Studenten nutzen die Möglichkeit, frühzeitig ein individuelles Profil zu entwickeln und begreifen die Auslobung als Chance, sich von der breiten Masse abzuheben um so ihre spätere Karriere anzuschieben. Sie können damit den eher enggesteckten Rahmen der etablierten Planungsbüros verlassen, um fernab vom Tagesgeschäft im positiven Wettstreit der Ideen ihre Visionen von zukünftiger Architektur zu entwickeln. „Als einer der führenden Baustoffhersteller,“ so Jan Buck-Emden in seiner Laudatio, „sehen wir eine Verpflichtung, mit dazu beizutragen, dass sich branchenübergreifend eine neue Baukultur entwickelt.“ Xella sei es wichtig, mit kreativen, mutigen und engagierten Architekten und Planern Kontakt zu pflegen: „Denn sie werden die Zukunft entscheidend mitgestalten. Und zu wissen, wie morgen gebaut wird, dieses Thema beschäftigt uns sehr. Deshalb sehen wir in dem Wettbewerb eine wichtige Plattform des Austausches zum Aufspüren von neuen Trends.“

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